Zwitschern aus der Ferne

Posted on 19. November 2010. Filed under: Veranstaltungsmethoden |

Die Einladung, an einer Podiumsdiskussion zum Thema Twitter bei der Transfertagung wissen.schafft.arbeit teilzunehmen, war verlockend, der Weg von Hannover nach Chemnitz und zurück jedoch etwas weit für eine dreiviertel Stunde Aktion. Immerhin liegt Chemnitz so „weit draußen“, dass eine Anreise am Vormittag und eine Rückreise am Nachmittag nicht ohne Weiteres möglich waren.

Gemeinsam mit der Tagungsleitung wurde als Alternative ersonnen, mich aus Hannover als „Twitterdiskutant“ in das Gespräch einzubeziehen. Im Podium vor Ort also vier anwesende Gäste und ich über eine Twitterwall im Hintergrund. Die Moderatorin, Professorin für Marketing, sollte nun immer wieder den Bezug zwischen diesen beiden Parteien herstellen. So weit, so gut. Für alle war dies ein Experiment. Respekt den Organisatoren vor Ort, die damit für sich technisches, organisatorisches und moderationstechnisches Neuland betraten.

Damit ich aus meinem Büro in Hannover verfolgen konnte, was in Chemnitz gesprochen wurde, wurde ein Live-Stream eingerichtet. Nach einigen Problemen vor Ort und bei mir (Firefox verweigerte zunächst die Übertragung) hatte ich gute Sicht in den Veranstaltungsraum und konnte schon am Vormittag der Tagung folgen – natürlich nicht ohne ein paar Anmerkungen über Twitter zu machen. Dann bei einem kurzen Telefonat mit den Technikern vor Ort eine schlechte Nachricht: Twitterwallr.com, wo wir extra eine Twitterwall für den Hashtag #wsa10 vorbereitet hatten, hatte prompt während der Tagung Serverprobleme – wir kamen nicht auf die Wall! Die pfiffigen Chemnitzer von sachsMedia improvisierten schnell eine eigene Twitterwall, die pünktlich zur Podiumsdiskussion fertig wurde.

Dann war es soweit: Um 16.30 Uhr startete die Podiumsdiskussion. Nach kurzen Vorstellungen der Gesprächspartner durch die Moderatorin wurde ich gebeten, doch einen ersten Tweet zu senden. Obwohl es sich bei Twitter um ein Realtime-Medium handelt, dauerte es jeweils ein paar Sekunden, bis meine Kommentare in Chemnitz auf der Twitterwall erschienen. Für beide Seiten manchmal ein paar Sekunden zu lang, denn kaum erschien der Tweet, war die Diskussion vor Ort schon ein paar Argumente weiter.

Für die Gesprächsteilnehmer im Podium, das Publikum vor Ort und die Moderatorin kamen die Hinweise des „Externen“ so eventuell etwas unzusammenhängend. Aber glücklicherweise war mit Martin Böhringer (@boehr) ein versierter Socialmedia-Kenner vor Ort, der mit meinen Kommentaren etwas anfangen und diese „mit Leben füllen“ konnte.

Gut, dass ich in der Vorbereitung auf die Podiumsdiskussion bereits ein paar Tweets vorbereitet hatte, die ich dann an der geeigneten Stelle einbringen konnte. Für die spontanen Kommentare stand mir eine Kollegin zur Seite, die mich zumindest am Bildschirm auf die gröbsten Rechtschreibfehler hinwies und mir zusätzliche Ideen für Tweets lieferte.

So ging die Podiumsdiskussion gefühlt schneller vorbei, als ich gedacht hatte.

Insgesamt fand ich das Experiment interessant, würde das aber so nicht noch einmal machen. Besser sind folgende Optionen:

  • Podiumsdiskussion „klassisch“ (finde ich aber insgesamt ein mühsames Format, weil man weder den Podiumsteilnehmern noch den Gästen gerecht wird), am besten als Fishbowl oder „Sofa“, um die Teilnehmer einzubeziehen.
  • Einbindung eines Teilnehmers über Fernschalte, also z.B. Videochat – hier muss die Technik absolut verlässlich sein
  • normale Twitterwall wie bei Barcamps, bei der alle Teilnehmer gleichermaßen mitkommentieren, ohne einen „prominenten“ Gast aus dem Off

Hier noch einmal meine Argumente zum Nachlesen (nicht alle tauchten in der Diskussion auf):

Meine These für die #wsa10: Socialmedia wie Facebook, Twitter, Blogs und Co. bieten enorme Potenziale für Geschäftsmodelle und Kundendialog

Frage: Wie gehen junge Firmen in Niedersachsen mit Twitter, Blog und Co um?

  • Socialmedia ist bislang vor allem ein Thema für junge, kreative Unternehmen, deren Kunden auch Socialmedia nutzen #digitalnatives #wsa10
  • In niedersächsischen Großunternehmen (z.B. Volkswagen, TUI) wird Socialmedia bereits aktiv im Kundendialog eingesetzt #wsa10
  • KMU steigen langsam ein, z.B. der Aquaristik-Anbieter Tetra aus dem niedersächsischen Melle mit der www.aquarium-community.de #wsa10
  • im institutionalisierten Technologietransfer der Hochschulen ist Socialmedia bislang unterbelichtet – da gibt es noch viel Potenzial! #wsa10
  • Social Media kann die Sichtbarkeit von transferfähigem Wissen der Hochschulen erhöhen, wird nur noch zu wenig gemacht #wsa10

Frage: Oder wird bei jungen Unternehmen mehr auf klassische Kommunikation gesetzt?

  • Haben junge Unternehmen nicht auch dort ein Defizit? #wsa10
  • Im Idealfall ergänzen sich online und offline zu einem konsistenten Ganzen #wsa10
  • Beispiele: Service-Hotline plus Service-Blog, Twitter zu Sonderaktionen, Gutscheine bei Foursquare, Sonderpreis für Facebook-Fans #wsa10

Frage: Wo sehen Sie im speziellen Anwendungsbeispiele für diese jungen Kommunikationsformen bzw. wer sollte / muss sie nutzen?

  • Socialmedia funktioniert gut, wenn es zu Produkt, Zielgruppe und Unternehmenskultur passt #wsa10
  • Socialmedia im ganzen Marketingmix: Kommunikation (Content is King, Dialog), Produkt (Peer-to-peer-Production) … #wsa10
  • … Distribution (E-Commerce) und Preis (freeconomics) #wsa10
  • So wie Kinowerbung nicht für jedes Unternehmen geeignet ist, muss auch nicht jeder bei Twitter kommunizieren #wsa10
  • Ein Anlagenbauer muss nicht twittern, kann aber Kunden mit einer #Wiki Gebrauchsanweisung in technische Verbesserung einbeziehen #wsa10
  • Für ein Wiki braucht es Motivation der Nutzer! Bei Wikipedia haben einzelne Nutzer Tausende Artikel bearbeitet und das ohne Bezahlung #wsa10
  • Unternehmen mit Livestyleprodukten (Mode, Musik) können über Socialmedia zu Aktionen und Events einladen und Fans zu Kunden machen #wsa10
  • Einzelhändler und Gastronomie können #locationbasedservices anbieten, z.B. über #foursquare oder #googlemaps #mashups #wsa10
  • Technologieunternehmen können die „Wisdom of the Crowd“ für einen offenen FuE-Prozess nutzen und so externe Experten einbinden #wsa10
  • aktive Socialmedia-Kommunikation kann bei der Suche nach Personalnachwuchs Pluspunkte bringen #wsa10
  • Kleinunternehmen und Freiberufler ermöglicht Socialmedia Zugang zu Aufträgen und Kollaboration in „virtuellen Unternehmen“ #wsa10
  • Socialmedia Tools können in der Wettbewerbs- und Marktanalyse eingesetzt werden, z.B. #netnografie #wsa10
  • Socialmedia-Aktivitäten verbessern Sichtbarkeit bei Suchmaschinen #wsa10
  • Socialmedia kann Aufmerksamkeit für Unternehmen und Produkt schaffen, z.B. bei Journalisten #wsa10
  • Socialmedia-Aktionen können viral werden und so im Schneeballsystem ein großes Publikum erreichen #wsa10

Frage: Kann mit Produkte mit Socialmedia emotional aufladen?

  • emotionale Produkte? Wer möchte ein Facebook-Freund einer Bosch Waschmaschine sein? Lieber von dem Entwickler, der dahinter steht #wsa10
  • allerdings kann man z.B. im Text Emotionen nicht so ausdrücken, wie bei Face-to-face …
  • typisches Vorurteil: In der Realität einsam, auf Facebook aber 500 Freunde
  • Wunsch nach „echtem“ Kennenlernen bestätigt sich auch durch Events wie Webmontage, Twittwoch, Twittagessen, Xing-Events

Frage: Was ist Ihrer Erfahrung nach hauptsächliche wichtig für jungen Firmen?

  • Socialmedia ist mehr als ein Baustein im Kommunikationsmix: hier bieten sich Plattformen für neue Geschäftsmodelle #wsa10
  • Socialmedia bedeutet, Kunden, Fans und Kritiker als Kommunikationspartner ernst zu nehmen: Märkte sind Gespräche #cluetrain #wsa10
  • auch bei Socialmedia steht authentische/menschliche, Kommunikation im Mittelpunkt, unpersönliche Nachrichten funktionieren nicht #wsa10
  • deshalb ist es ja auch SOCIAL Media, Menschen und ihr Zusammenwirken – auch mit Emotionen – sind dabei die Basis #wsa10
  • Socialmedia-Aktivitäten benötigen zeitliches Engagement (7/24), Medienkompetenz und Authenzität – Werbung posten reicht nicht aus! #wsa10
  • Wer seine Kommunikationsziele nicht definiert hat, sollte nicht mit Socialmedia anfangen #wsa10
  • Social Networking ist nicht Social NOTworking sondern muss zielgerichtet eingesetzt werden #wsa10
  • Unternehmen müssen auch Socialmedia-Strategien für die Krisen-PR haben #wsa10
  • Socialmedia ist meist „for free“ – kostet aber Zeit und Aufmerksamkeit #wsa10
  • ein ständiges Beobachten neuer Socialmedia Trends ist erforderlich – schnelles Entstehen und Sterben von Ideen #permanentbeta #wsa10
  • Mit Socialmedia können auch kleine, agile Unternehmen die bisherigen #Platzhirsche „angreifen“ #wsa10
  • Unternehmen brauchen eine „kritische Masse“ an Kommunikationspartnern im Web, damit Socialmedia-Aktivitäten Erfolg haben
  • Ein leeres Twitter-/Facebook-Profil ist eventuell schlechter als gar keins #wsa10
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